Saudi-Arabien, das größte Land der arabischen Halbinsel, öffnet sich zunehmend für den internationalen Tourismus und bietet Reisenden eine faszinierende Mischung aus jahrtausendealter Geschichte und ultramoderner Architektur. Von den mystischen Wüstenlandschaften des Rub al-Khali bis zu den pulsierenden Metropolen Riad und Dschidda – das Königreich überrascht mit einer kulturellen Vielfalt und landschaftlichen Schönheit, die viele nicht erwarten würden.
Für Besucher, die abseits ausgetretener Touristenpfade nach authentischen Erlebnissen suchen, ist Saudi-Arabien ein wahres Juwel. Die UNESCO-Welterbestätten wie Al-Ula mit den beeindruckenden Felsgräbern von Hegra, die lebendigen traditionellen Souks und die herzliche Gastfreundschaft der Einheimischen machen eine Reise in dieses Land zu einem unvergesslichen Abenteuer. Mit unseren acht Reisetipps möchten wir Ihnen helfen, Saudi-Arabien in seiner ganzen Pracht zu entdecken.
Wichtig zu wissen: Seit 2019 vergibt Saudi-Arabien elektronische Touristenvisa, die online beantragt werden können und für Staatsangehörige aus über 50 Ländern verfügbar sind.
Die beste Reisezeit für Saudi-Arabien liegt zwischen November und März, wenn die Temperaturen angenehmer sind und tagsüber meist zwischen 20-30°C liegen.
Frauen müssen ihre Schultern und Knie bedecken, aber ein Kopftuch ist für Touristinnen nicht mehr verpflichtend.
Saudi-Arabien: Ein Land zwischen Tradition und Moderne
Das Königreich Saudi-Arabien befindet sich in einem faszinierenden Spannungsfeld zwischen jahrhundertealten Traditionen und rasanter Modernisierung. Einerseits hält das Land streng an islamischen Werten und Bräuchen fest, die das tägliche Leben, die Gesetzgebung und die gesellschaftlichen Strukturen prägen. Andererseits investiert die Regierung unter Kronprinz Mohammed bin Salman Milliarden in ehrgeizige Zukunftsprojekte wie die Planstadt NEOM und öffnet das Land zunehmend für internationale Touristen und kulturellen Austausch – eine Entwicklung, die auch in benachbarten Golfstaaten wie Bahrain zu beobachten ist. Diese vorsichtige Balance zwischen Bewahrung der kulturellen Identität und wirtschaftlicher Diversifizierung abseits des Ölsektors wird den Weg Saudi-Arabiens in den kommenden Jahrzehnten entscheidend prägen.
Die faszinierende Wüstenlandschaft Saudi-Arabiens
Die Wüstenlandschaft Saudi-Arabiens erstreckt sich über einen Großteil des Landes und präsentiert sich als ein beeindruckendes Naturschauspiel aus endlosen Sanddünen, kargen Felsformationen und vereinzelten Oasen. Das Rub al-Khali, auch bekannt als das „Leere Viertel», gilt mit seinen spektakulären rötlich-goldenen Sanddünen als eine der unwirtlichsten und gleichzeitig faszinierendsten Wüstenregionen der Welt. Trotz der extremen klimatischen Bedingungen mit Temperaturen, die im Sommer regelmäßig über 50 Grad Celsius steigen können, hat sich eine erstaunlich vielfältige Tier- und Pflanzenwelt an diese herausfordernde Umgebung angepasst. In den letzten Jahren hat Saudi-Arabien begonnen, das touristische Potenzial seiner Wüstenlandschaften zu erschließen und bietet nun geführte Safaris, Kamelritte und sogar luxuriöse Wüstencamps für Besucher an. Die atemberaubenden Sonnenuntergänge über den Dünen, wenn der Himmel in leuchtenden Orange- und Rottönen erstrahlt und lange Schatten über den Sand wandern, zählen zu den unvergesslichen Naturerlebnissen, die dieses Königreich zu bieten hat.
Das Rub al-Khali (Leeres Viertel) bedeckt mit 650.000 km² fast ein Drittel der Arabischen Halbinsel und ist die größte Sandwüste der Welt.
In den Wüstenregionen Saudi-Arabiens wurden über 2.400 Pflanzenarten nachgewiesen, die sich an extreme Bedingungen angepasst haben.
Die Temperaturschwankungen in der saudi-arabischen Wüste können innerhalb eines Tages bis zu 30 Grad Celsius betragen.
Saudi-arabische Kultur: Einblicke in Sitten und Bräuche
Die saudi-arabische Kultur ist tief in religiösen Überzeugungen und beduinischen Traditionen verwurzelt, die das tägliche Leben der Einwohner prägen. Gastfreundschaft nimmt einen besonderen Stellenwert ein – Besucher werden mit Datteln, Kaffee und großzügigen Gesten empfangen, ähnlich wie es auch in anderen Golfstaaten wie Katar üblich ist. In der Öffentlichkeit wird von Männern und Frauen ein zurückhaltender Kleidungsstil erwartet, wobei Frauen traditionell die Abaya tragen und Männer die weiße Thobe mit Ghutrah (Kopfbedeckung). Familienverbundenheit und Respekt vor Älteren sind weitere Säulen der saudischen Gesellschaft, die sich in den fünfmal täglichen Gebetszeiten und gemeinsamen Mahlzeiten manifestieren.
Wirtschaftliche Transformation: Saudi-Arabiens Weg jenseits des Öls
Das Königreich verfolgt mit der ehrgeizigen Vision 2030 einen tiefgreifenden Wandel seiner wirtschaftlichen Struktur, um die jahrzehntelange Abhängigkeit von Ölexporten zu reduzieren. Unter der Führung von Kronprinz Mohammed bin Salman investiert Saudi-Arabien massiv in Zukunftsbranchen wie Technologie, erneuerbare Energien und Tourismus, wobei besonders das futuristische Megaprojekt NEOM internationale Aufmerksamkeit erregt. Die Diversifizierungsstrategie umfasst auch den Aufbau einer einheimischen Fertigungsindustrie sowie die Förderung von Start-ups und Unternehmertum unter der jungen saudischen Bevölkerung. Trotz beachtlicher Fortschritte steht das Land vor der Herausforderung, den Übergang behutsam zu gestalten, da Öl- und Gaseinnahmen noch immer etwa 70 Prozent der Staatseinnahmen ausmachen.
- Vision 2030 als Masterplan für die wirtschaftliche Diversifizierung des Königreichs
- Massive Investitionen in Zukunftsbranchen und Megaprojekte wie NEOM
- Förderung von einheimischer Produktion, Unternehmertum und Start-up-Kultur
- Herausforderung der schrittweisen Reduzierung der Ölabhängigkeit bei weiterhin hohen Einnahmen aus diesem Sektor
Religiöse Bedeutung: Saudi-Arabien als Hüter der heiligen Stätten
Saudi-Arabien nimmt als Hüter der heiligsten Stätten des Islam, der Kaaba in Mekka und der Prophetenmoschee in Medina, eine einzigartige Position in der islamischen Welt ein. Jährlich organisiert das Königreich die Hadsch, bei der mehrere Millionen Muslime aus aller Welt zur Pilgerfahrt zusammenkommen, was dem Land enorme religiöse Autorität verleiht. Die saudische Führung legitimiert ihren Herrschaftsanspruch wesentlich durch diese Rolle als Beschützer der heiligen Stätten und investiert Milliardensummen in deren Erhaltung und Ausbau. Als selbsternannter Vertreter des sunnitischen Islam fördert Saudi-Arabien weltweit den wahhabitischen Islam durch Moscheebauten und religiöse Bildungseinrichtungen. Diese religiöse Soft-Power verschafft dem Königreich diplomatischen Einfluss in der gesamten muslimischen Welt und macht es zu einem zentralen Akteur in religiösen Angelegenheiten weit über seine Grenzen hinaus.
Die zwei heiligsten Stätten des Islam – die Große Moschee in Mekka und die Prophetenmoschee in Medina – befinden sich in Saudi-Arabien.
Jährlich empfängt Saudi-Arabien über 2,5 Millionen Pilger während der Hadsch-Saison, was die größte regelmäßige Menschenversammlung der Welt darstellt.
Der saudische König trägt offiziell den Titel «Hüter der beiden heiligen Moscheen» (Khadim al-Haramain al-Sharifain).
Reisen nach Saudi-Arabien: Was Touristen wissen sollten
Touristen, die Saudi-Arabien besuchen möchten, benötigen ein spezielles Touristenvisum, das seit 2019 eingeführt wurde und online beantragt werden kann. Beim Aufenthalt im Land sollten Reisende lokale Sitten respektieren, wozu insbesondere für Frauen das Tragen zurückhaltender Kleidung gehört, obwohl die Abaya mittlerweile nicht mehr verpflichtend ist. Von Saudi-Arabien aus lassen sich übrigens auch problemlos weitere Reiseziele in der Region erkunden, wie die vielfältigen Attraktionen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die nur einen kurzen Flug entfernt liegen.
Saudi-Arabiens Vision 2030: Ehrgeizige Ziele für die Zukunft
Mit der Vision 2030 hat Saudi-Arabien ein beispielloses Transformationsprogramm ins Leben gerufen, das das Königreich von seiner Abhängigkeit vom Öl befreien soll. Kronprinz Mohammed bin Salman treibt diesen umfassenden Wandel voran, der Investitionen in Zukunftstechnologien, Tourismus und Unterhaltung in Höhe von mehreren hundert Milliarden Dollar vorsieht. Prestigeprojekte wie die futuristische Stadt NEOM, die vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben werden soll, symbolisieren den Aufbruch in eine neue Ära. Die ehrgeizigen Ziele umfassen auch gesellschaftliche Reformen, die das Land für ausländische Investoren und Touristen attraktiver machen sollen, während gleichzeitig die kulturelle Identität des Königreichs bewahrt werden soll.
- Diversifizierung der Wirtschaft weg vom Öl hin zu Technologie, Tourismus und Unterhaltung
- Mega-Projekte wie NEOM mit Investitionen von über 500 Milliarden US-Dollar
- Gesellschaftliche Liberalisierung bei gleichzeitiger Wahrung kultureller Traditionen
- Schaffung neuer Arbeitsplätze für die junge saudische Bevölkerung
Die kulinarischen Schätze der saudi-arabischen Küche
Die saudi-arabische Küche verzaubert mit einer Vielfalt an Aromen und Gewürzen, die von der beduinischen Tradition und den Einflüssen der umliegenden Regionen geprägt ist. Kabsa, ein würziges Reisgericht mit Fleisch, gilt als Nationalgericht und wird bei nahezu allen festlichen Anlässen serviert. Zu den beliebten Beilagen gehören Hummus, Tabouleh und frisch gebackenes Fladenbrot, das traditionell mit den Händen gegessen wird. Die kulinarische Kultur Saudi-Arabiens spiegelt sich auch in der Teezeremonie wider, bei der arabischer Kaffee mit Kardamom und süßen Datteln gereicht wird, was die Gastfreundschaft des Landes unterstreicht.
Häufige Fragen zu Saudi-Arabien
Welche Kleidungsvorschriften gelten für Touristen in Saudi-Arabien?
Die Kleidungsregeln für Besucher wurden in den letzten Jahren deutlich gelockert. Frauen müssen keine Abaya (traditionelles Übergewand) mehr tragen und auch kein Kopftuch. Dennoch wird zurückhaltende Bekleidung erwartet: Schultern und Knie sollten bedeckt sein. Männer sollten ebenfalls auf kurze Hosen in öffentlichen Bereichen verzichten. In religiösen Stätten gelten strengere Vorschriften. In touristischen Enklaven wie dem Red Sea Project sind die Bekleidungsvorschriften liberaler, während im Königreich generell auf züchtige Garderobe Wert gelegt wird. Die lokalen Gepflogenheiten zu respektieren wird von den saudischen Gastgebern sehr geschätzt.
Ist Alkohol für Touristen in Saudi-Arabien erlaubt?
Alkohol ist im Wüstenstaat grundsätzlich verboten, auch für ausländische Besucher. Der Import, Verkauf und Konsum alkoholischer Getränke ist im gesamten Königreich untersagt und steht unter strenger Strafe. In internationalen Hotels werden ausschließlich alkoholfreie Getränke ausgeschenkt. Allerdings hat die Regierung im Rahmen der «Vision 2030» erste Lockerungen angekündigt. In diplomatischen Vertretungen und speziellen internationalen Zonen könnten künftig Ausnahmen gelten. Für Reisende bedeutet dies aktuell jedoch: Spirituosen, Bier und Wein sind im öffentlichen Raum nicht erhältlich, und der Schmuggel kann zu ernsthaften rechtlichen Konsequenzen führen.
Wie sicher ist eine Reise nach Saudi-Arabien?
Saudi-Arabien gilt als eines der sichersten Reiseländer im Nahen Osten bezüglich Kriminalität. Die Verbrechensrate ist vergleichsweise niedrig, besonders Gewaltverbrechen gegen Touristen sind äußerst selten. Das Königreich verfügt über ein strenges Rechtssystem und eine starke Polizeipräsenz in urbanen Gebieten. Reisende sollten dennoch lokale Gesetze respektieren, da Verstöße hart geahndet werden können. In Grenzregionen zum Jemen bestehen Sicherheitsbedenken, diese Gebiete werden jedoch ohnehin selten von Besuchern frequentiert. Die größeren Metropolen wie Riad und Dschidda sowie touristische Attraktionen bieten ein hohes Maß an Sicherheit, weshalb das Wüstenland für vorsichtige Reisende keine besonderen Risiken darstellt.
Wie beantrage ich ein Touristenvisum für Saudi-Arabien?
Das elektronische Touristenvisum für das Königreich kann bequem online über die offizielle Plattform «Visit Saudi» oder die Visa-App «Visa2Visit» beantragt werden. Der Prozess erfordert einen gültigen Reisepass mit mindestens sechs Monaten Restgültigkeit, ein biometrisches Foto, eine Kreditkarte für die Gebühr (etwa 120 Euro) sowie eine Reiseversicherung. Die Bearbeitung erfolgt meist innerhalb von 24 Stunden. Das E-Visum ist ein Jahr gültig und erlaubt mehrfache Einreisen mit einem Aufenthalt von bis zu 90 Tagen pro Besuch. Bürger aus über 50 Ländern, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz, können dieses vereinfachte Verfahren nutzen. Bei der Einreise müssen keine Unterlagen vorgelegt werden, da das Visum elektronisch hinterlegt ist.
Welche Sehenswürdigkeiten sollte man in Saudi-Arabien nicht verpassen?
Die Altstadt von Dschidda (Al-Balad) mit ihren traditionellen Korallenhäusern und Basaren bietet faszinierende Einblicke in die Geschichte des Landes. Die archäologische Stätte Hegra (Mada’in Salih) – oft als «kleines Petra» bezeichnet – beeindruckt mit in Felsen gehauenen Grabfassaden der Nabatäer und ist UNESCO-Weltkulturerbe. Das futuristische Viertel Diriyya in Riad verbindet historisches Erbe mit moderner Architektur. Naturliebhaber sollten die Oase Al-Ahsa mit ihren 2,5 Millionen Dattelpalmen erkunden. Auch das Rote Meer mit seinen unberührten Korallenriffen und die Berglandschaft von Asir mit terrassierten Feldern und Nebelwäldern zählen zu den Höhepunkten des Wüstenstaats. Die historische Stadt Al-Ula mit ihren Felsformationen und archäologischen Schätzen rundet das eindrucksvolle Angebot ab.
Wann ist die beste Reisezeit für Saudi-Arabien?
Die ideale Zeit für eine Reise ins Königreich liegt zwischen November und März, wenn das Klima angenehm mild ist mit Temperaturen zwischen 20°C und 30°C. In diesen Wintermonaten lassen sich die Wüstenlandschaften und urbanen Zentren komfortabel erkunden. Die Sommermonate von Mai bis September sind mit Temperaturen über 40°C extrem heiß und für Outdoor-Aktivitäten wenig geeignet, obwohl klimatisierte Einkaufszentren und Museen dann Zuflucht bieten. In der südlichen Provinz Asir herrscht ein gemäßigteres Bergklima, das auch im Sommer erträglich sein kann. Die kurze Regenzeit im Winter kann besonders die Wüstengebiete in ein überraschendes Blütenmeer verwandeln. Kulturelle Festlichkeiten während des Ramadan bieten besondere Einblicke, erfordern aber Anpassungen im Reiseverhalten.
