Reisen um die Welt Bauwut auf griechischen Urlaubsinseln: Regierung stoppt neue Hotels

Bauwut auf griechischen Urlaubsinseln: Regierung stoppt neue Hotels

Milos gilt als farbenfrohe Perle der Ägäis. Leuchtend weiße Klippen, rötliche Felsen und schwarz-blaues Lavagestein zeugen vom vulkanischen Ursprung der Insel. Der Strand von Sarakiniko an der Nordostküste zählt zu den eindrucksvollsten Naturattraktionen der Kykladen: Glatte, weiße Formationen aus Vulkangestein verleihen der Küste ein beinahe außerirdisches Bild.

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Genau hier wird nun gebaggert und betoniert. Ein Investor plant ein großangelegtes Projekt. Ein bestehendes kleines Hotel soll zu einem Vier-Sterne-Resort mit 171 Suiten und Bungalows samt privaten Pools ausgebaut werden. Die Bauarbeiten sind bereits weit fortgeschritten. Nach der Fertigstellung würde die Anlage bis nahe an die Küstenlinie reichen.

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Die Gemeinde Milos befürchtet irreparable Eingriffe in die empfindliche Küstenlandschaft sowie die Zerstörung eines der bekanntesten Naturdenkmäler der Insel. Deshalb reichte die Kommune beim Staatsrat, dem Obersten Verwaltungsgericht Griechenlands, Beschwerde ein und focht die Rechtmäßigkeit des Projekts an. Ungeachtet dessen wurden die Bauarbeiten zunächst fortgesetzt.

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Nun hat das Umweltministerium das Stadtplanungsamt von Milos angewiesen, einen sofortigen Baustopp zu verhängen. Gleichzeitig ordnete es an, sämtliche Genehmigungsverfahren für das Projekt erneut zu überprüfen. Es besteht der Verdacht, dass Umweltauflagen missachtet wurden.

Ein beispielloses Wachstum im Tourismus

Milos ist kein Einzelfall. Griechenland erlebt seit Jahren ein beispielloses Wachstum im Tourismus. 1980 besuchten 5,3 Millionen ausländische Urlauber das Land, im vergangenen Jahr waren es nach vorläufigen Berechnungen bereits 37,6 Millionen. Für 2026 zeichnet sich der vierte Reiserekord in Folge ab.

Die steigenden Besucherzahlen haben einen massiven Bauboom ausgelöst. Vor 45 Jahren verfügte Griechenland über rund 113.000 Hotelbetten, heute sind es etwa 900.000. Und es wird immer weitergebaut.

Doch zunehmend regt sich Widerstand unter Bewohnenden und Kommunen. Inzwischen greifen auch Politik und Behörden verstärkt ein. Auf der Insel Serifos stoppte die Regionalverwaltung der Ägäis kürzlich den geplanten Bau eines Hotelkomplexes in einem Natura-2000-Schutzgebiet. Vorgesehen waren 93 Betten, darunter zehn unterirdische Suiten mit eigenen Swimmingpools. Eine 80 Meter lange Seilbahn sollte die obersten und untersten Bereiche der an einem steilen Hang geplanten Anlage verbinden. Die Behörden untersagten das Projekt unter anderem wegen der Vielzahl an Schwimmbecken und einer nicht gesicherten Wasserversorgung.

Mykonos: Fast die Hälfte der Bauten illegal

Auf der Nachbarinsel Sifnos stoppten der Staatsrat und die Archäologiebehörde im Dezember vier Bauvorhaben. Grund waren Zweifel an der Rechtmäßigkeit der erteilten Baugenehmigungen. Auf vielen Ägäisinseln gilt es als offenes Geheimnis, dass bei Genehmigungsverfahren häufig Schmiergelder fließen. Nicht selten wird auch völlig ohne Erlaubnis gebaut. Ein besonders drastisches Beispiel ist Mykonos: Fachleute schätzen, dass dort rund die Hälfte der in den vergangenen Jahrzehnten errichteten Gebäude illegale Schwarzbauten sind.

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Nun will die Regierung der Bauwut entgegentreten. Das Umweltministerium erarbeitet gemeinsam mit den Gemeinden und Baubehörden sogenannte Sonderbebauungspläne, die die Besonderheiten jeder einzelnen Insel berücksichtigen sollen.

Agios Stefanos ist ein kleiner Ort mit Apartments und Hotels, nördlich des Hafens von Mykonos.Quelle: IMAGO/Rupert Oberhäuser

Für den Touristen-Hotspot Mykonos sehen die Entwürfe eine drastische Einschränkung der Bebauung vor. Die Schutzzonen, in denen grundsätzlich nicht gebaut werden darf, sollen von derzeit 37,9 auf 48,7 Prozent der Inselfläche ausgeweitet werden.

Strenge Auflagen für Santorini

Noch strengere Auflagen sind für Santorini geplant. Die Insel gilt im Verhältnis zu ihrer Größe als eine der am dichtesten bebauten im Mittelmeerraum. Hier sollen die Schutzzonen von 21,8 auf 67,3 Prozent der Fläche anwachsen. Gleichzeitig würden die Gebiete, in denen touristische Nutzung erlaubt ist, von bislang 59,8 Prozent auf nur noch 6,8 Prozent schrumpfen.

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Die wichtigste Neuerung: Künftig dürfen Grundstücke nur noch dann bebaut werden, wenn sie an Straßen liegen, die bereits vor 1977 offiziell ausgewiesen wurden. Das ist auch für viele ausländische Grundstückseigentümer eine böse Überraschung. In der Vergangenheit hatten sie oft abgelegene Parzellen erworben, um dort Ferienhäuser zu errichten. Makler versicherten ihnen, die Grundstücke seien bebaubar. Mit der neuen Rechtslage verlieren viele dieser Flächen jedoch nahezu vollständig an Wert.

Die typischen weißen Häuser schmiegen sich in den Hang – oft wird Santorini regelrecht von Kreuzfahrtschiffen belagert. Nirgendwo in der EU ist der Massentourismus stärker ausgeprägt als auf den griechischen Inseln in der südlichen Ägäis.Quelle: IMAGO/Panama Pictures

Auf Inseln wie Santorini und Mykonos erfüllen nur noch sehr wenige Grundstücke die neuen Voraussetzungen. Fachleute gehen davon aus, dass die Bautätigkeit auf Santorini damit praktisch eingefroren und auf Mykonos stark eingeschränkt wird. Auch auf anderen Inseln dürfte der Neubau deutlich zurückgehen, sobald die Sonderbebauungspläne in Kraft treten.

Wann dies geschehen wird, ist allerdings noch offen. Zunächst müssen die neuen Vorschriften dem Staatsrat zur rechtlichen Prüfung vorgelegt werden. Erteilt das Gericht seine Zustimmung, werden sie dem Amt des Staatspräsidenten zugeleitet und anschließend in Form eines Präsidialdekrets erlassen. Schließlich muss auch das Parlament noch zustimmen.

Die Zeit dränge, warnt Manolis Mikelis, der Bürgermeister von Milos. Er hofft auf eine schnelle Umsetzung der neuen Regeln. Andernfalls drohe seiner Insel „die totale Zerstörung“.

Reisereporter

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