Die Chinesische Mauer, das Great Barrier Reef oder die Felsenstadt Petra – sie haben den kulturellen Ritterschlag erhalten. Der Unesco-Welterbe-Status gilt als Auszeichnung, um die sich Städte und Regionen jahrelang bemühen. Das slowakische Dorf Vlkolínec allerdings würde den Titel am liebsten wieder abgeben.
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Was 1993 wie ein Segen für Vlkolínec und die Region erschien, empfinden die Dorfbewohnerinnen und -bewohner heute als Belastung. Der Welterbe-Status habe ihre Heimat in ein Freilichtmuseum verwandelt, berichtet unter anderem die Katholische Nachrichtenagentur.
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Vlkolínec: Ein Dorf mit nur noch 14 Bewohnern
Täglich strömen Hunderte Touristen durch den Ort. „Die Menschen benehmen sich, als wäre hier niemand zu Hause“, sagt Anton Sabucha, der älteste Bewohner von Vlkolínec, gegenüber der Lokalzeitung „Denník K“. Fotoverbote würden ebenso missachtet wie die Privatsphäre der Gemeinde. Dabei leben ohnehin nur noch 14 Menschen dauerhaft dort.
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Für die Unesco ist Vlkolínec ein kulturhistorisches Juwel. Die erstmals 1376 urkundlich erwähnte Ansiedlung im Nationalpark Große Fatra ist die einzige Gemeinde der Slowakei, die nicht durch Neubauten verändert wurde. Charakteristisch sind die hölzernen Blockhäuser auf schmalen Grundstücken, mit Ställen und Scheunen. 45 davon sind noch erhalten. Zwei Straßen teilen die Ortschaft: eine führt zur römisch-katholischen Kirche Mariä Heimsuchung aus dem Jahr 1875, die andere steigt steil zum Fuß des Berges Sidorovo an.
Zu den meistfotografierten Motiven zählen der zweistöckige hölzerne Glockenturm von 1770 sowie ein hölzerner Brunnen aus dem Jahr 1860, beide liegen im Zentrum des Ortes.
Unesco-Austritt sehr unwahrscheinlich
Rechtlich genießt der Ort den höchsten Denkmalschutzstatus der Slowakei. Bereits 1977 wurde Vlkolínec zum Reservat für Volksarchitektur erklärt, was Neubauten grundsätzlich verbietet. Hinzu kommen strenge Auflagen: Gebäude dürfen nicht verändert, Haustiere nicht gehalten und bestimmte Feldfrüchte nicht mehr angebaut werden. Für eine Siedlung, die ursprünglich von Holzfällern, Hirten und Landwirten gegründet wurde, bedeutet das einen massiven Einschnitt in ihr tägliches Leben.
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„Wenn sie uns aus dem Unesco-Welterbe streichen würden, ginge es uns besser“, meint Anton Sabucha. Weniger Besucherinnen und Besucher würden jedoch auch weniger Einnahmen für die Karpaten-Region bedeuten, in die sich wohl nur wenige Menschen verirren würden.
Doch so weit wird es wohl nicht kommen. Eine Streichung von der Unesco-Liste gilt als äußerst unwahrscheinlich: sowohl die Organisation selbst als auch die slowakische Regierung müssten dem Plan der Dorfgemeinschaft zustimmen.
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