Zugreisen in Frankreich stehen für Tempo, Komfort und ein gut ausgebautes Hochgeschwindigkeitsnetz. Besonders die TGV-Verbindungen zwischen den Metropolen gelten als Vorzeigeobjekt des Fernverkehrs und werden täglich von hunderttausenden Reisenden genutzt.
Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeige
Mit einer neuen Premiumklasse sorgt die SNCF, die staatliche Bahngesellschaft Frankreichs, nun jedoch für Diskussionen. In einem bestimmten Abteil sind Kinder unter zwölf Jahren ab sofort ausgeschlossen. Was als Angebot für mehr Ruhe gedacht war, hat eine gesellschaftliche Debatte über Familienfreundlichkeit, Diskriminierung und den Platz von Kindern im öffentlichen Raum ausgelöst.

Der reisereporter-Newsletter: Die Vorteile für dich
Du willst exklusive Reisetipps, ungewöhnliche Orte und günstige Reise-Deals immer bequem in dein Mail-Postfach bekommen? Dann hol dir unseren Newsletter und erhalte regelmäßig die faszinierendsten und beliebtesten Geschichten und wichtigsten Infos aus aller Welt.
Was steckt hinter der neuen Optimum-Klasse?
Seit Anfang Januar ersetzt die neue Klasse „Optimum plus“ das bisherige Business-Première-Angebot auf den TGV-Verbindungen zwischen Paris und Lyon. Das Konzept richtet sich vor allem an Geschäftsreisende und setzt auf feste Preise, flexible Umbuchung sowie zusätzliche Services wie Lounge-Zugang und einen Sitzplatzservice mit Mahlzeiten.
Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeige
Die Abteile sollen insbesondere Geschäftsreisenden Ruhe bieten.Quelle: IMAGO/Zoonar
Ein zentrales Verkaufsargument für die neue „Optimum plus“-Klasse ist ein besonders ruhiges Umfeld an Bord. Die Sitze sind großzügiger gestaltet, die Zahl der Fahrgäste pro Abteil ist begrenzt. Um diesen Anspruch umzusetzen, sieht das Angebot vor, dass Reisende erst ab einem Alter von zwölf Jahren Zugang zu diesen Bereichen haben. Damit folge die SNCF dem „No kids“-Trend, berichtet „Le Monde“.
Warum Kinder unter 12 Jahren ausgeschlossen sind
Auslöser der darauf folgenden Debatte war eine Formulierung der SNCF, wonach Kinder in diesen Abteilen nicht zugelassen seien, um ein Höchstmaß an Komfort zu gewährleisten. Diese Kommunikation wurde in sozialen Netzwerken schnell als Diskriminierung gewertet und entsprechend scharf kritisiert. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft warfen der Bahn vor, ein problematisches Signal zu senden.
Die Sorge: Wenn Ruhe mit der Abwesenheit von Kindern gleichgesetzt wird, könnten Familien zunehmend aus bestimmten Angeboten ausgeschlossen werden. Der Fakt, dass Haustiere gegen einen Aufpreis von 10 Euro in der neuen Premiumklasse erlaubt sind, sorgte für zusätzlichen Unmut.
Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeige
SNCF reagiert auf die Kritik
Die SNCF weist den Vorwurf einer generellen Ausgrenzung von Kindern zurück. Das Unternehmen betont, dass Kinder weiterhin in den TGV-Zügen reisen können und lediglich ein kleiner Anteil der Sitzplätze altersbeschränkt ist. Zudem wird darauf verwiesen, dass auch das vorherige Business-Angebot erst ab zwölf Jahren nutzbar war.
Im neuen Abteil „Optimum plus“ haben Kinder unter 12 Jahren keinen Zutritt.Quelle: IMAGO/Zoonar
Nach Angaben der Bahngesellschaft machen die Optimum-plus-Sitze werktags nur acht Prozent des gesamten Platzangebots in den Hochgeschwindigkeitszügen aus. An Wochenenden sind diese Abteile vollständig für alle Altersgruppen geöffnet. Ziel sei es nicht, Kinder fernzuhalten, sondern unterschiedliche Bedürfnisse von Reisenden besser zu berücksichtigen.
Kinderfreies Abteil nur zwischen Paris und Lyon
Die neue Premiumklasse „Optimum plus“ wird bislang ausschließlich auf der stark frequentierten Strecke zwischen Paris und Lyon angeboten. Das liegt vor allem an der Zusammensetzung der Fahrgäste: Ein großer Teil reist aus beruflichen Gründen und erwartet ruhige Arbeitsbedingungen während der Fahrt.
Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeige
Ob das kinderfreie Modell auf weitere Strecken der SNCF ausgeweitet wird, bleibt abzuwarten und dürfte auch davon abhängen, wie die gesellschaftliche Debatte in Frankreich weiter verläuft.
Was müssen Reisende aktuell wissen? Alle wichtigen News für den Urlaub findest du beim reisereporter.
Reisereporter
Quelle: Quelle



