Samstag, März 7, 2026
spot_imgspot_imgspot_imgspot_img

Top 5 der Woche

unsere letzten Posts

Hahndorf in Australien: Das deutsche Dorf, in dem im Februar Hochsommer

In Hahndorf in <a href="https://www.reisereporter.de/reiseziele/ozeanien/australien/» target=»_self» rel=»» title=»https://www.reisereporter.de/reiseziele/ozeanien/australien/» data-vars-event-category=»intext_link» data-vars-event-action=»click» data-vars-event-label=»https://www.reisereporter.de/reiseziele/ozeanien/australien/»>Südaustralien, rund 30 Kilometer außerhalb von Adelaide, zeigt das Thermometer über 30 Grad. Im Februar ist Sommer auf der Südhalbkugel. Trotz der hohen Temperaturen könnten Besucher und Besucherinnen meinen, sie seien in Deutschland. Deutsche Fahnen wehen von einigen Häusern, ein Geschäft verkauft Nussknacker und Kuckucksuhren, ein Restaurant bewirbt Schnitzel, Würstel und Bienenstich. Vor einem weiteren hängt ein Schild: „Unser Dorf soll schöner werden“.

Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeige

Bis auf diesen griffigen Satz und vereinzelte Wörter wie „Strudel“ oder „Haus“ versteht in der alten „Auswandererstadt“ jedoch kaum jemand mehr Deutsch. Trotzdem lassen sich die deutschen Gene nach wie vor nicht verleugnen. Hahndorf erscheint wie eine Miniaturausgabe dessen, wofür Deutschland weltweit steht – selbst die typischen Klischees sind erfüllt: Die Vorgärten sind ordentlich, es sprießen Blumen, der Rasen ist gepflegt und grün – trotz der verdorrten Landschaft außenrum.

Backpackerin Emily Käser mit einem Koala in Südaustralien.Backpackerin Emily Käser mit einem Koala in Südaustralien.Quelle: Barbara Barkhausen

„Ein wenig fühle ich mich hier tatsächlich wie daheim“, sagt dann auch Emily Käser, eine deutsche Rucksacktouristin, die durch Australien reiste, arbeitete und dabei auch einen Tag in Hahndorf verbrachte. Klar sei der Ort auch touristisch und das Essen treffe den Geschmack nicht ganz, doch es würden viele schöne Traditionen gezeigt und das spiegle schon wider, was typisch Deutsch sei.

Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeige

Hartes Leben in der neuen Heimat in Hahndorf

Dass sich hier am anderen Ende der Welt eine deutsche Enklave befindet, geht auf die Anfänge der britischen Kolonialisierung Australiens zurück. Nach der Inbesitznahme des Kontinents durch Kapitän James Cook 1770 kam die erste Flotte mit Sträflingen 18 Jahre später im Bundesstaat New South Wales an.

Von dort an besiedelten die Briten den Kontinent weiter und so auch den Süden des Landes. 1838, als die Kolonie South Australia gerade mal zwei Jahre alt war, kamen dann auch lutherische Flüchtlinge aus Preußen in Australien an. Sie ließen sich außerhalb von Adelaide nieder und nannten den Ort Hahndorf, benannt nach dem Kapitän ihres Schiffes.

Mehr zum Thema

 Naturidylle und Strandparadies: Der Lagoon Beach auf Lord Howe Island.Naturparadies

Massentourismus gibt es nicht: Wie diese Insel sich vor Urlaubern schützt

 Blick über einen See auf die Bungle Bungles, eine einzigartige Bergkette im Purnululu National Park.Reisereportage

Die Kimberleys in Westaustralien: Willkommen in der Wildnis

 Maria Island vor der Ostküste Tasmaniens lässt sich am besten bei einer Wanderung oder Radtour erkunden. Besonders die zahlreichen Wombats sind für viele Reisende ein Highlight.Tasmanien

Tierparadies: Warum Wildlife-Fans Maria Island besuchen sollten

In der Heimat waren die Lutheraner religiös verfolgt worden, und so erhofften sie sich auf der Südhalbkugel ein freieres und sichereres Auskommen. Doch auch das Leben in dem neu gegründeten Ort war keineswegs einfach. Um überleben zu können, mussten die Männer bei reichen Landbesitzern in der Umgebung anheuern, wo sie Buschland rodeten und Zäune bauten. Die Frauen hingegen betrieben die Höfe in Hahndorf, wo sie Gemüse und Obst anpflanzten, sich um die Tiere kümmerten und Butter oder Käse produzierten.

Hahndorf lockt Bauern, Intellektuelle und Glücksjäger

Da vieles importiert werden musste, waren die Lebensmittel in der neuen Kolonie teuer und qualitativ oft schlecht und so waren die Produkte der Hahndorfer Frauen bald hochbegehrt. Um sie zu verkaufen, mussten die Deutschen jedoch die über 30 Kilometer bis Adelaide zu Fuß durch den Busch zurücklegen. An Verkaufstagen zogen sie um Mitternacht los, rasteten um 4 Uhr morgens schließlich an einem Fluss, bevor sie dann in die Stadt hineinmarschierten und ihre Waren verkauften.

Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeige

Adelaide selbst war 1836 nicht wie Sydney oder Hobart aus einer Sträflingskolonie hervorgegangen, sondern von freien Siedlern gegründet worden – benannt nach der deutschen Prinzessin Adelheid von Sachsen-Meiningen, die ab 1830 Königin von Großbritannien und Irland sowie Königin von Hannover war.

Ein typisch deutsches Schild in Hahndorf mit der Aufschrift "Unser Dorf soll schöner werden".Ein typisch deutsches Schild in Hahndorf.Quelle: Barbara Barkhausen

Im 19. Jahrhundert und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein bildeten deutschsprachige Einwanderer und Einwanderinnen die größte nicht anglo-keltische Gruppe in Australien. Neben den Lutheranern, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, kam eine kleinere Welle infolge der gescheiterten deutschen Revolution von 1848.

Unter diesen Einwandernden waren viele städtische Berufstätige und Intellektuelle, darunter viele politisch aktive Demokraten und Liberale, die mit dem Mangel an politischen Reformen in Deutschland unzufrieden waren. Eine dritte Welle deutscher Einwandernder folgte in den 1850er-Jahren. Damals strömten viele Glücksjäger in den Bundesstaat Victoria, in dem Melbourne liegt, in der Hoffnung, im dortigen Goldrausch an schnellen Reichtum zu gelangen.

Deutsch war allgegenwärtig in der Region

„Um 1860 war eine gut sichtbare deutsch-australische Gemeinschaft etabliert“, schrieb der auf deutsche und europäische Studien spezialisierte Professor Gerhard Fischer von der University of New South Wales in einer akademischen Abhandlung zum Thema deutsche Migration in Australien. Die Deutschen seien zu diesem Zeitpunkt wohlhabend und kultiviert und von den britisch-australischen Landsleuten allgemein „hoch geschätzt“ gewesen, berichtete Fischer.

Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeige

Mehr zum Thema

 Eine beliebte Aktivität: Tagesausflug zum Riff mit Adrenalin-Schnorchel und Tauchgang.Urlaub in Australien

Australiens Great Barrier Reef: Wo Urlauber zu Riff-Wächtern werden

 Blick auf den Horizont bei Nacht mit der Milchstraße und pinken Nordlichtern.Beeindruckendes Schauspiel am Himmel

Phänomen Aurora australis: Hier kannst du „Südlichter“ sehen

 Das Opernhaus in Sydney feiert am Freitag, 20. Oktober, seinen 50. Geburtstag.50. Geburtstag

Opernhaus in Sydney: von der Müllhalde zum Meilenstein der Architektur

„In den Metropolen und insbesondere in Adelaide konnte man den Tag problemlos verbringen, ohne ein Wort Englisch sprechen zu müssen“, sagte er. Man habe auf Deutsch einkaufen, Arzt- oder Zahnarztbesuche erledigen, eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen bestellen oder in einem deutschen Restaurant essen können.

Deutsche brachten Kunst und Marmelade

Bis 1895 wurde die Gesamtzahl der Deutsch-Australier, einschließlich der Nachkommen von Einwandernden der zweiten und dritten Generation, auf etwa 100.000 geschätzt (bei rund fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern zu diesem Zeitpunkt). Diese Zahl blieb bis 1914 stabil.

Menschen sitzen in einem typisch bayrischer Restaurant, in der sogar eine bayrische Flagge hängt.Überall in Hahndorf wartet deutsches Ambiente.Quelle: Jonathan Kissock/Tourism AustraliaWeiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeige

Mit dem Kriegsausbruch änderte sich zeitweise jedoch der Status der deutschen Mitbürger und Mitbürgerinnen. Australien internierte mehrere Tausend Einwohnerinnen und Einwohner aufgrund ihrer österreichischen oder deutschen Abstammung in Kriegsgefangenenlagern. Hahndorf musste zeitweise gar seinen Namen ändern und erhielt ihn erst 1935 wieder.

Trotzdem sind die Erfolgsgeschichten der Deutschen in Hahndorf bis heute sichtbar: Da ist die Familie Paech, die 1839 mit ihren fünf Kindern von Preußen nach Südaustralien segelte und zu den Gründerfamilien zählte. Sie sind die Vorfahren der heute berühmten Marmeladenproduktion Beerenberg. Auch ein berühmter Maler verewigte die Landschaft in und um Hahndorf in dauerhaften Meisterwerken: Hans Heysen, dessen Villa etwas außerhalb von Hahndorf steht und besichtigt werden kann, war 1884 mit seiner Familie nach Südaustralien gekommen.

Auch heute leben noch rund 100.000 Menschen in Australien, die in Deutschland geboren wurden, mehr als eine Million der insgesamt 27 Millionen Menschen in Australien hat deutsche Wurzeln.

Mehr Inspiration gesucht? Tipps für alle Top-Reiseziele findest du beim reisereporter.

Reisereporter

Quelle: Quelle

Beliebte Beiträge