Versprochen wurde: Ein „ruhiger Rückzugsort“ mit Pools, „reich an therapeutischen Mineralien“, inmitten eines „abgelegenen Waldretreats“. Die „Tasmania Tours“-Website der Firma „Australian Tours and Cruises“, die inzwischen gelöscht ist, malte ein verlockend idyllisches Bild von den sogenannten Weldborough Hot Springs – einem Ort, der auf der Liste der „7 Best Hot Springs Tasmania Experiences for 2026“ prangte.
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Wer dorthinreiste, um sich in Tasmaniens „unberührter Schönheit“ zu verlieren, wurde von einem Anblick begrüßt, der sich deutlich von dem versprochenen unterschied: eiskaltes Flusswasser und dichter Wald.
Denn die Weldborough Hot Springs existieren nicht. Sie waren eine sogenannte „Halluzination“ der künstlichen Intelligenz (KI) – ein Phänomen, bei dem generative KI-Systeme kohärente und sprachlich gut klingende, aber vollständig erfundene Informationen produzieren, wie der australische Sender „ABC“ berichtet.

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KI empfiehlt Thermalquellen ohne genaue Wegbeschreibung
Der fragwürdige Artikel wurde im Juli 2025 auf der „Tasmania Tours“-Website veröffentlicht – verfasst nicht von einem Menschen, sondern von einer KI eines Drittanbieter-Unternehmens. Da der Beitrag keine konkreten Wegbeschreibungen enthielt, pilgerten ratlose Touristinnen und Touristen zum einzigen bekannten Wahrzeichen der Region: dem Weldborough Hotel, einem Pub mit Geschichte, etwa zwei Stunden nordöstlich von Launceston gelegen.
Weldborough ist nicht ohne Charme: In den 1880er Jahren war der Ort das Zentrum der größten chinesischen Gemeinde. Zeitweise lebten hier rund 700 chinesische Bergleute, die ursprünglich wegen der Goldfunde nach Victoria gekommen waren und dann dem „grauen Gold“ – dem Zinn – in den Nordosten Tasmaniens folgten. Das Hotel selbst stammt aus diesen Tagen und war schon damals legendär.
Die heutige Pubwirtin Kristy Probert amüsierte und erstaunte die moderne Tech-Verwirrung gleichermaßen: „Der Weld River, der durch Weldborough fließt, ist eiskalt – es ist bestimmt keine Thermalquelle“, erklärte sie dem australischen Sender.
„Ehrlich gesagt werden Sie hier eher einen Saphir finden als eine Thermalquelle.“ Die Anrufe kamen täglich, die Besucherinnen und Besucher in Scharen – eine Gruppe von 24 Reisenden vom australischen Festland hatte sogar einen Umweg eingelegt, um die angeblichen Thermalquellen zu besuchen. Probert reagierte mit einem charmanten Angebot: „Wenn Sie diese Thermalquellen finden können, gehen die Biere auf mich“, sagte sie. Die Gruppe kam nie zurück.
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„Unsere KI hat sich völlig verzockt“
Scott Hennessy, Besitzer von „Australian Tours and Cruises“, räumte die Fehler offen ein. „Unsere KI hat sich völlig verzockt“, erklärte er „ABC News“. Das Unternehmen, mit Sitz in New South Wales, betreibt neben „Tasmania Tours“ mehrere weitere Reiseseiten für andere australische Bundesländer. Hennessy versuchte, die Situation zu erklären: Die Inhalte seien an einen Drittanbieter ausgelagert worden, da das Unternehmen nicht genug „Kapazität“ hätte, um die Website selbst zu befüllen. Obwohl alle Beiträge vor der Veröffentlichung überprüft werden sollten, seien einige versehentlich online gegangen, während er außerhalb des Landes war.
Tasmanien eignet sich wunderbar für Roadtrips.Quelle: imago images/imagebroker
„Wir versuchen, mit den Großen zu konkurrieren, und dafür musst du deine Inhalte immer wieder neu auffrischen“, sagte er „ABC News“. Dabei sei KI-generierter Content unvermeidlich: Manchmal sei es perfekt und wirklich gut und erreiche genau das, was man sich erhoffe, und manchmal gehe es völlig daneben. „Ich habe sogar Tiere gesehen, die ich noch nie zuvor gesehen habe – einen dreifüßigen Wombat und krokodilartige Wesen“, berichtete er.
KI-Fehler: Ein Warnsignal für die gesamte Reisebranche
Alle KI-generierten Blogbeiträge sind mittlerweile entfernt worden, doch der Imageschaden für den Anbieter war enorm. Und so amüsant sich der Fall auf den ersten Blick lesen mag – so zeigt er auch ein wachsendes Problem. Die australische Tourismusexpertin Anne Hardy betonte gegenüber „ABC“, dass etwa 37 Prozent der Reisenden heute KI-Modelle wie ChatGPT nutzen, um Reisepläne zu erstellen. Die Folgen seien nicht immer harmlos: „Etwa 90 Prozent der Reisepläne, die von ChatGPT generiert werden, enthalten mindestens einen Fehler“, sagte sie.
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Diese Fehler können bei Öffnungszeiten beginnen und bei komplett erfundenen Reisezielen aufhören – wie Weldborough beeindruckend unter Beweis stellte. Hardy bezeichnete den Fall als „eine sehr gute Lektion in Bezug auf Qualitätskontrolle“.
Dabei hat Weldborough durchaus Einiges zu bieten – neben seiner interessanten Geschichte ist es auch eine Idylle für Outdoor- und Naturfans: Direkt über dem Ort erhebt sich das Blue-Tier-Plateau, ein subalpines Hochland mit dichter, temperierter Regenwald-Vegetation und verwunschenen Farnschluchten – eine Landschaft, die sich keine KI hätte besser ausmalen können.
Was müssen Reisende aktuell wissen? Alle wichtigen News für den Urlaub findest du beim reisereporter.
Reisereporter
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