Die Bilder gingen um die Welt: Der leblose Körper der 19-jährigen Kanadierin Piper James, umringt von einem Rudel wilder Dingos am Eastern Beach von K’gari. Nun hat die Regierung von Queensland reagiert – mit einer Entscheidung, die nicht nur Tierschützer empört. Sechs Dingos aus dem betroffenen Rudel von etwa zehn Tieren wurden bereits eingeschläfert, weitere sollen in den kommenden Tagen folgen.
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„Dies ist eine schwierige Entscheidung“, erklärte Umweltminister Andrew Powell. Die Behörde habe sie aber im Interesse der öffentlichen Sicherheit getroffen. Er betonte, die Insel bleibe zugänglich, und ermutigte Touristen, „diesen unglaublichen Ort“ weiterhin zu besuchen.
Warnschild auf der australischen Insel K’gari. Es kommt immer wieder zu Zwischenfällen mit Dingos.Quelle: imago images / imagebroker
Die Ranger hätten vom Gerichtsmediziner im Bundesstaat Queensland die Mitteilung erhalten, dass Dingos eine Rolle beim Tod der jungen Frau gespielt hätten. Seit der Entdeckung ihres Körpers sei mindestens einer der Dingos dabei beobachtet worden, wie er sich einem Camper gegenüber aggressiv verhielt.
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Todesursache nicht völlig eindeutig
Die genauen Umstände von Piper James’ Tod am 19. Januar 2026 bleiben umstritten. Erste Vermutungen über einen tödlichen Dingo-Angriff scheinen sich nach vorläufigen Autopsieergebnissen nicht zu bestätigen. „Die Autopsie hat physische Beweise gefunden, die mit Ertrinken übereinstimmen, sowie Verletzungen, die mit Dingo-Bissen übereinstimmen“, erklärte ein Sprecher des Gerichtsmedizinischen Dienstes von Queensland. „Dingo-Bissspuren, die vor dem Tod entstanden sind, haben wahrscheinlich nicht den unmittelbaren Tod verursacht. Es gibt umfangreiche Dingo-Bissspuren, die nach dem Tod entstanden sind.“
Piper James hatte etwa eineinhalb Wochen auf der Insel gearbeitet, als sie Freunden und Arbeitskollegen am frühen Morgen des 19. Januar mitteilte, schwimmen gehen zu wollen. Sie liebte es, ihre Tage auf K’gari damit zu beginnen, allein bei Sonnenaufgang zu schwimmen. 90 Minuten später, gegen 6:30 Uhr, entdeckten zwei Männer ihren leblosen Körper. Die abschließenden Testergebnisse zur Todesursache werden in einigen Wochen erwartet.
Kritik von traditionellen Landbesitzern
Die Entscheidung zur Keulung stößt auf heftigen Widerstand. Die K’gari-Gruppe der traditionellen Landbesitzer, die Butchulla Aboriginal Corporation, wurde nicht konsultiert. Direktorin Christine Royan erfuhr erst kurz vor der öffentlichen Bekanntgabe am Sonntagnachmittag von den Plänen. „Wir haben ein Verfahren etabliert, wir wurden nicht einmal konsultiert“, kritisierte sie im Interview mit dem australischen Sender „ABC“. Sie erwägt nun rechtliche Schritte gegen die Regierung.
Ein Sprecher des Umweltministeriums verteidigte das Vorgehen: „Nach den ersten Autopsieergebnissen, der Beteiligung dieses Rudels an dem Vorfall und den Beobachtungen seitdem wurde dieses Rudel als inakzeptables Risiko für die öffentliche Sicherheit eingestuft.“ Die öffentliche Sicherheit habe oberste Priorität.
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K’gari, die größte Sandinsel der Welt und Weltnaturerbe, ist Heimat zahlreicher wilder Dingos. Es kommt immer wieder zu Zwischenfällen. Im Jahr 2023 griff ein Dingo einen zehnjährigen Jungen an und zog ihn unter Wasser. Seine zwölfjährige Schwester konnte ihn retten. Rangerin Danielle Mansfield warnte damals, die Tiere würden besonders aufdringlich, wenn Touristen sie fütterten – absichtlich oder unbeabsichtigt. „Diese Tiere können ernsthaften Schaden anrichten.“
Drohnen gegen Haie in Sydney
Während Queensland auf Tötung setzt, wählt der benachbarte Bundesstaat New South Wales einen anderen Weg. Nach vier Haiangriffen innerhalb von 48 Stunden, bei denen ein zwölfjähriger Junge so schwer verletzt wurde, dass er am Wochenende im Krankenhaus starb, und ein 27-jähriger Surfer sein rechtes Unterbein verlor, investiert die Regierung 4,2 Millionen Dollar (2,44 Millionen Euro) in ihr Hai-Management-Programm. Eine Hai-Keulung, die manche forderten, lehnte die Regierung bisher ab.
Stattdessen fließen die zusätzlichen Mittel in Überwachung, die Markierung von Bullenhaien und Aufklärung zur Hai-Sicherheit. Drohnen werden eingesetzt, um Haie zu entdecken und Schwimmer an 80 Stränden zu warnen – eine Steigerung gegenüber bisher 50 Stränden. Alle vier Angriffe gingen laut Hai-Expertin Amy Smoothey auf Bullenhaie zurück.
Forschende sehen den Menschen als Teil des Problems. Die Hai-Forscherinnen Vic Camilieri-Asch und Bonnie Holmes erklärten, dass eine Studie bereits gezeigt habe, dass Bullenhaie aufgrund steigender Meerestemperaturen durch den Klimawandel durchschnittlich einen zusätzlichen Tag pro Jahr in flacheren Küstengewässern verbringen. Nach den jüngsten heftigen Regenfällen sei der Sydney Harbour zudem trüber und nährstoffreicher geworden – der Nährstoffabfluss ziehe Köderfische an – und damit auch Haie.
Reisereporter
Quelle: Quelle



