Mittwoch, Januar 28, 2026
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Diese einst prunkvolle Altstadt ist heute ein verfallener Lost Place

In der Altstadt von Tarent – oder Taranto, wie die Italienerinnen und Italiener sagen – ist in den 1960ern die Zeit stehen geblieben. Und nie wieder weitergelaufen. Sie steht und steht und steht. Seit Jahrzehnten wird hier nichts mehr instand gehalten.

Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeigeein verfallenes Gebäude und eine aufgemalte BlumeBarocke Fassaden und Stuck weichen Unrat und Street Art.Quelle: Conny Derdak

Wunderschöne Häuser? Fehlanzeige. Nicht mehr. Die einst so prächtigen mittelalterlichen Kirchen, gotischen Klöster und barocken Paläste der Stadt im Süden Italiens sind sich selbst überlassen. Seit Jahren. Seit Jahrzehnten.

Meer, Autos, verfallene GebäudeRund um die Altstadt führt eine Straße. Der Verkehr ist enorm. In die Altstadt hinein wagt sich hingegen kaum jemand.Quelle: Conny DerdakWeiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeige

Lost Place in Süditalien

Wer die einst so prächtige Altstadt von Tarent ansteuert, sollte sich auf ein ordentliches Lost-Place-Feeling einstellen. Wo früher rund 30.000 Menschen lebten, sollen es heute nur noch ein paar Hundert sein. An einem trüben Nachmittag im April lassen sich in den engen Gassen selbst die nicht blicken. Wenn einem überhaupt jemand über den Weg läuft, dann sind es ein paar wenige neugierige Touristinnen und Touristen.

verfallene HäuserBewohnt oder nicht? In den wenigsten Fällen ist das eindeutig erkennbar. In Tarents Altstadt lebt kaum jemand.Quelle: Conny Derdak

Zwischen den Ruinen kann es sich schon mal richtig gruselig anfühlen. Türen sind vernagelt, Torbögen zugemauert, Fensterscheiben eingeschlagen, auf den Balkonen wachsen Pflanzen. Nicht aus Töpfen, sondern aus den Böden.

ein verfallenes HausDas Grünzeug wächst auf den Balkonen Tarents auch ohne menschliches Zutun.Quelle: Conny Derdak

Viele Gebäude sind mit dicken Stahlträgern fixiert, damit ihre brüchigen Mauern nicht umstürzen. Egal, wie klein oder groß das Gebäude ist, wie majestätisch es einst ausgesehen haben muss: Vor dem Verfall ist in Tarents Altstadt nichts sicher. Nur ein paar Kirchen scheinen noch intakt zu sein.

Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeigeein verfallenes HausViele Mauern werden mit Stahlträgern in Form gehalten.Quelle: Conny Derdak

Die kargen Steinmauern sind mit Graffiti übersät. „Stop killing us“ ist eine der Aufschriften. Unweigerlich drängt sich die Frage auf: Was ist hier los? Wie konnte eine einst so prächtige Stadt derart verkommen?

Graffiti an Hauserruinen, ein paar AutosDer farblosen Altstadt wird durch Street-Art wieder ein wenig Leben eingehaucht.Quelle: Conny Derdak

Die Altstadt von Tarent ist auf einem Felsen erbaut

Schon ihre Lage macht sie einzigartig: Die Altstadt von Tarent ist auf einem Felsen erbaut. Sie ist einen Kilometer lang und 300 Meter breit. Wie eine Insel steht sie beinahe autark im Wasser – wäre sie nicht mit dem Rest der Stadt durch zwei Brücken verbunden.

Eine Stadt auf einem FelsenAus der Ferne hat sie ihren Glanz noch nicht verloren: Imposant thront die Altstadt von Tarent auf einem Felsen.Quelle: IMAGO/Pond5 ImagesWeiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeige

Die eine Brücke, jene im Süden, verbindet die Altstadtinsel mit dem modernen, dem „hübschen“ Teil der Stadt. Hier, auf dem Festland, gibt es Palmen, elegante Fassaden, eine schmucke Einkaufsstraße.

Palmen, Menschen, hübsche FassadenAuch so kann Tarent aussehen: Die elegante Piazza Maria Immacolata befindet sich im moderneren Teil der Stadt.Quelle: Conny Derdak

Überquert man die Brücke hinüber auf die Altstadtinsel, ist auch noch alles einigermaßen intakt. Eine große Burg, ein aktives Universitätsgebäude, ein paar kleine Cafés.

ein Tor in einem historischen GebäudeAm Beginn der Altstadt befindet sich eine Außenstelle der Universität Bari. Dieses Gebäude ist gut in Schuss.Quelle: Conny Derdak

Doch mit jedem Schritt, den man sich vom Festland entfernt, wird es ruhiger. Schmutziger. Finsterer. Hier wird die Altstadt Tarents zur Geisterstadt. Ewig schade, denn bis in die 1970er war Tarent ein wunderschönes und florierendes Juwel am Ionischen Meer. Die Bevölkerung war wohlhabend.

karge Mauern, die verfallen, und ein AutoJe weiter man sich in die Altstadt begibt, umso trostloser wird es.Quelle: Conny DerdakWeiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der Anzeige

Was liegt am anderen Ende der Stadt? Die Brücke, die im Norden auf die andere Seite des Festlands führt, möchte man lieber nicht überqueren. Denn auf dieser Seite eröffnet sich der Grund, warum die Menschen die Stadt verlassen haben: das größte Stahlwerk Europas.

Muschelfarm, ein FabriksgebäudeSkurril: Eine Muschelfarm im Meer, während dahinter, im Bezirk Tamburi, die gigantische Stahlfabrik qualmt.Quelle: IMAGO/Dreamstime

Wie die Stahlproduktion Tarent veränderte

In den 1960ern wurde hier unter dem Namen Ilva die Stahlproduktion gestartet. Viele Arbeiter wurden von der Altstadt auf jenen Teil des Festlands umgesiedelt, auf dem die Fabrik stand. Was damals als große Hoffnung galt, weil die Fabrik Tausende Arbeitsplätze bot und Reichtum versprach, stellte sich schon bald als einer der größten Umweltverschmutzer Italiens heraus. Und nicht nur das – das Stahlwerk entpuppte sich auch als große Gefahr für die Menschen.

ein verfallenes HausImmer mehr Menschen verließen die Altstadt, um in die Nähe des Stahlwerks, nach Tamburi, zu ziehen.Quelle: Conny Derdak

Giftige Dioxide wurden freigesetzt, Feinstaub drang in die Wohnungen. Viele Menschen starben (und sterben) in Tarent an Krebs – auch Kinder. Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen nahmen zu. Alles Zufall? Nein. Den Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und dem Stahlwerk belegt eine offizielle Studie. Sie wurde Anfang der 2000er vom italienischen Gesundheitsministerium durchgeführt.

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Zaghafte Versuche zur Wiederbelebung von Tarent

Und heute? Das Werk wechselte mehrmals den Eigentümer. Die Kohle- und Eisenerzhalden wurden vor wenigen Jahren überdacht, damit der giftige Staub nicht mehr in die Wohnungen der Menschen geweht wird. Die gigantischen Hallen sind bis zu 700 Meter lang.

Derzeit steht das Stahlwerk von Tarent unter der Obhut eines staatlichen Kommissars. Wie es gesundheitlich für die Bewohnerinnen und Bewohner von Tarent weitergeht, steht hingegen in den Sternen.

verfallene Häuser mit GraffitiDie Regierung möchte die Altstadt mit Häusern für einen Euro wiederbeleben. Ob sie jemals wieder ihren alten Glanz erlangt, ist fraglich.Quelle: Conny Derdak

Indes versucht die Regierung, wieder Menschen nach Tarent zu locken. Offenbar bisher wenig erfolgreich, denn bereits seit 2021 werden sogenannte Ein-Euro-Häuser in der Altstadt angeboten. Dass es sich dabei nahezu um eine Geisterstadt handelt, wird dabei nicht erwähnt.

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Mehr Inspiration gesucht? Tipps für Italien findest du beim reisereporter.

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